Publikationen

Erkenntnisse aus der Analyse abgeschlossener Schadenfälle

Die Stiftung für Patientensicherheit in der Anästhesie konnte in enger Zusammenarbeit mit den Haftpflichtversicherungen eine grosse Zahl abgeschlossener Fälle (sogenannte «closed claims») anonymisiert und strukturiert in einer Datenbank erfassen und wissenschaftlich auswerten. Die Erkenntnisse daraus veröffentlichen wir in unseren Publikationen, die wir sowohl inhaltlich als auch gestalterisch so aufbereiten, dass sie einen hohen didaktischen und in der Praxis anwendbaren Nutzen erbringen. Die Publikationen stellen wir Ihnen hier gerne zum Download bereit.

PUBLIKATIONEN ZUM DOWNLOADEN

THEMENLISTE
Airway Management
Awareness
Vermeidung von Lagerungsschäden
Kinderanästhesie
Kommunikation nach einem Zwischenfall
Periphere Nervenblockaden
Rückenmarksnahe Anästhesien
Transfusion von Blutprodukten
Anästhesie in der weissen Zone
Verwendung eines zentralvenösen Katheters (ZVK)
Beatmungsgerät als Sicherheitsrisiko

Airway Management

Nach den Regionalanästhesieverfahren sind Probleme beim Atemwegs-Management die zweithäufigste Ursache, die zu einem Haftpflichtfall führen. Die Mehrheit dieser Fälle betrifft Verletzungen der Atemwege wie zum Beispiel Zahnschäden oder Kiefergelenksluxationen. Es treten jedoch immer noch – trotz verbessertem Equipment – schwerwiegende Komplikationen mit Fehlintubation, schwieriger Intubation oder Aspiration auf.

Awareness

Patientinnen und Patienten haben sehr häufig die Sorge, während einer Operation in Allgemeinanästhesie wach – «aware» – zu sein. Dies ist nicht ganz unbegründet, kommt es doch trotz moderner Anästhesieverfahren und entsprechendem Monitoring immer wieder zu Fällen von „Awareness“, wie aktuelle Haftpflichtfälle belegen. Zwar ist die Inzidenz gesamthaft für alle Patientinnen und Patienten gering, jedoch kommt es insbesondere bei Polytraumata, in der Herzchirurgie und der Geburtshilfe gehäuft zu Awareness-Fällen.

Vermeidung von Lagerungsschäden

Obschon Lagerungsschäden häufig zu Haftpflichtfällen führen, finden sich in der Literatur nur wenige Angaben. Diese betreffen denn auch vorwiegend Nervenschädigungen, die vor allem bei herzchirurgischen und orthopädischen Eingriffen auftreten. Um Lagerungsschäden zu vermeiden, ist eine korrekte Lagerung für die jeweilige Operation und die Patientin oder den Patienten im Klinikalltag jederzeit zwingend erforderlich.

Kinderanästhesie

Anästhesiezwischenfälle bei Kindern unterscheiden sich wesentlich von denen bei Erwachsenen, wie die Analyse abgeschlossener Haftpflichtfälle der ASA («closed claims» der American Society of Anesthesiologists) zeigt: So treten respiratorische Probleme bei Kindern häufiger auf und die Anästhesieführung wurde bei Kindern öfter als inadäquat bezeichnet. Bei Kindern handelt es sich in der Regel um gesunde Patienten, während der Anteil der schwerkranken Patienten bei den Erwachsenen deutlich höher ist. Auf der anderen Seite ist die Mortalität der Kinder bei Haftpflichtfällen erhöht.

Kommunikation nach einem Zwischenfall

Zwischenfälle und Fehler sind nicht vermeidbar, können aber in ihrer Häufigkeit reduziert werden. Sie sind eine Chance, denn aus ihnen kann man lernen. Dies gilt auch für Zwischenfälle in der Medizin. Doch um aus Zwischenfällen zu lernen, muss man sie zugeben und dazu stehen können. Dies fällt uns üblicherweise schwer. Die richtige Kommunikation eines Zwischenfalls zeugt von Professionalität und Respekt gegenüber Patientinnen und Patienten und deren Angehörigen. Sie ist für Patienten und Angehörige ebenso wichtig wie der Zwischenfall und seine Folgen an sich.

Periphere Nervenblockaden

Viele in der Schweiz abgeschlossene Haftpflichtfälle sowie ein grosser Teil der in den letzten Jahren weltweit publizierten Closed Claims in der Anästhesie betreffen die Regionalanästhesie. Basierend auf der aktuellen Datenlage wurde das Update der Sicherheitshinweise zu peripheren Nervenblockaden erstellt. Die Ultraschalltechnik hat zwar die Qualität und Sicherheit der Regionalanästhesie wesentlich verbessert, allerdings werden auch bei dieser Technik Zwischenfälle berichtet.

Rückenmarksnahe Anästhesien

Rückenmarksnahe Regionalanästhesie-Verfahren kommen als alleinige Technik oder in Kombination mit einer Allgemeinanästhesie häufig zum Einsatz. Die Komplikationsrate bei der Spinalanästhesie beträgt 1:25000, diejenige bei der Periduralanästhesie 1:20000. Zwar sind schwerwiegende Komplikationen mit bleibenden Schäden selten, jedoch belegen diese Komplikationen nach Spinal- oder Epiduralanästhesie in den publizierten Closed Claims–Daten einen Spitzenplatz, weswegen Sicherheitshinweise für diese Verfahren sehr wichtig sind.

Transfusion von Blutprodukten

In den letzten Jahren wurde die Qualität von Blutprodukten stetig verbessert. Eine strenge Spenderselektion, optimierte Nachweismethoden für blut-übertragbare Infektionskrankheiten und Vireninaktivierung garantieren einen sehr hohen Sicherheitsstandard der Blutprodukte in der Schweiz. Dennoch werden in der Schweiz pro Jahr immer weniger Blutprodukte transfundiert. Die Daten zeigen, dass die Risiken bei der Anwendung von Blutkomponenten heute wesentlich grösser sind als die Produkterisiken. Es gilt, Transfusionen zu verhindern, sichere Transfusionen zu fördern und die Komplikationsrate im Zusammenhang mit der Transfusion zu reduzieren.

Anästhesie in der weissen Zone

Eine zunehmende Zahl von Interventionen ausserhalb des eigentlichen Operationsbereiches – sei dies in der Gastroenterologie, Kardiologie oder Radiologie – findet unter Betreuung durch Anästhesie-Personal in der «Weissen Zone» statt. Zu einem grossen Teil kommt dabei eine sogenannte «Monitored Anesthesia Care» (MAC) zum Einsatz. Dass diese Interventionen und die dazu notwendige Anästhesie mit einem erheblichen Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko einhergehen, zeigen Analysen von Haftpflichtfällen in den vergangenen Jahren, dabei standen fast immer respiratorische Komplikationen im Vordergrund.

Verwendung eines zentralvenösen Katheters (ZVK)

Komplikationen bei der Verwendung eines zentralvenösen Katheters (ZVK) treten – verglichen mit anderen Haftpflichtfällen – in geringerem Ausmass auf, gehen jedoch mit einer deutlich höheren Mortalität einher. Die häufigsten Komplikationen sind Thromboembolie, Herztamponade, Punktion der Carotisarterie, Hämato-/Pneumothorax und Infektion. Aktuelle Daten liegen nicht vor, es ist jedoch davon auszugehen, dass sich die Komplikationsrate mit der ultraschall-gesteuerten ZVK-Einlage reduziert.

Beatmungsgerät als Sicherheitsrisiko

In verschiedenen Ländern Europas ist es zu einer Reihe von schwerwiegenden, teilweise fatalen Komplikationen bei der Benutzung von Anästhesiebeatmungsgeräten gekommen. Bei vielen dieser Zwischenfälle war die Ursache bei falsch zusammengesetzten Beatmungsschläuchen zu finden. Ein Geräte-Selbsttest genügt nicht, um die einwandfreie Funktion und Benutzung sicherzustellen. Es muss immer ein kompletter Geräte-Check vor der täglichen Inbetriebnahme durchgeführt werden. Verwenden Sie dazu die Checkliste dieses Flyers.